Ich bin Mutter von drei Kindern. Zwei meiner Kinder haben die Diagnose Autismus.
Bevor wir diese Diagnose hatten, war da vor allem eine dauerhafte innere Anspannung in mir. Ich habe viel organisiert, vermittelt, erklärt und versucht, den Alltag irgendwie stabil zu halten. Gleichzeitig waren da immer wieder Zweifel. An meiner Wahrnehmung. An meiner Kompetenz. An mir als Mutter.
Ich spürte, dass manche Situationen für meine Kinder – besonders im schulischen und sozialen Kontext – enorm herausfordernd waren. Und damit auch für mich. Schule bedeutete nicht nur Lernen, sondern Stress. Alltägliche Abläufe waren oft begleitet von Missverständnissen, Überforderung oder Konflikten. Ich hatte häufig das Gefühl, ständig reagieren zu müssen, statt wirklich gestalten zu können.
Als meine Kinder die Diagnose Autismus erhielten, veränderte sich für mich etwas Entscheidendes. Neben offenen Fragen und Unsicherheiten war da vor allem Erleichterung. Endlich hatte das, was wir erlebt hatten, einen Namen. Endlich gab es eine Erklärung, die nicht auf „Erziehungsfehler“ oder „zu sensibel“ hinauslief.
Diese Klarheit hat meine innere Haltung verändert. Ich begann, Verhalten anders einzuordnen. Ich konnte besser unterscheiden zwischen „will nicht“ und „kann gerade nicht“. Ich verstand Zusammenhänge – und mit diesem Verständnis kam spürbar mehr Ruhe in mich.
Natürlich blieben Herausforderungen. Eine Diagnose löst nicht automatisch alles. Aber sie gab mir eine neue Basis. Ich begann, mich gezielt weiterzubilden, holte mir Unterstützung und vertiefte meine Arbeit mit gewaltfreier Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung und emotionaler Selbstführung. Mir wurde klar: Ich kann meine Kinder nur so stabil begleiten, wie ich innerlich selbst aufgestellt bin.
Heute begleite ich Mütter von autistischen Kindern, die sich vielleicht genauso fühlen, wie ich mich damals gefühlt habe: erschöpft vom Funktionieren, voller Liebe und gleichzeitig voller Zweifel. Mütter, die ihr Kind bestmöglich unterstützen möchten – und dabei sich selbst nicht verlieren wollen.
Ich weiß, wie herausfordernd dieser Weg sein kann. Und ich weiß auch, wie viel sich verändert, wenn wir beginnen, uns selbst wieder ernst zu nehmen und innere Klarheit zu entwickeln.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.